Montag, 4. Juli 2016

Giraffe, Nilpferd & Co



Im Rahmen meines Studiums habe ich zusammen mit einer Freundin mit unterschiedlichsten Materialien herumexperimentiert, so auch mit einer Variation von Papiermaché. Der Herstellung dieser Masse widme ich demnächst noch mal einen eigenen Post.

Bevor man diese Masse gut anwenden und damit modellieren kann, bedarf es einiger Vorarbeit. Denn die Objekte, die wir herstellen wollten, sollten richtig groß sein. Also mußte man als Gerüst aus Hühnerdraht eine Grundform biegen, je präziser man da war, desto einfacher waren die folgenden Schritte. Außerdem mußten die Gerüste stabil sein, denn wenn Papiermaché im trockenen Zustand auch sehr leicht ist, ist es im Arbeitsprozess eher schwer und verbiegt schon mal wunderbar vorgeformte Beine.






Dann haben wir diese Drahtformen mit Zeitungspapier und Kleister bezogen.






Nachdem die Zeitungshaut gut durchgetrocknet war, kam der schönste Teil der Arbeit. Wir haben mit Papiermaché die Oberfläche geformt und besonders charakteristische Merkmale geschaffen.


Bis auf das Perlhuhn, fielen meine Tiere aber sehr groß aus. Schön in der Präsentation in einer großen Halle, aber zum lagern doch sehr sperrig. Nach einigen Jahren wurde das eine oder andere Bein der Giraffe doch arg ramponiert und als auch irgendwann im Bauch des Nilpferds ein Loch klaffte, habe ich die Tiere kurzerhand geköpft. Jetzt hängen sie  – einheitlich geweißt – an der Wand und ich freue mich, dass ich sie jeden Tag sehen kann und sie nicht irgendwo auf dem Dachboden vor sich hin stauben. Obwohl der Hintern vom Nilpferd war mich eigentlich ganz gut gelungen...








Donnerstag, 16. Juni 2016

Affenfaust

Es läuft gerade eine schöne Ausstellung in der Affenfaust Galerie in der Paul Roosen Straße. Es bringt Spass durch die Räumlichkeiten des alten Supermarktes zu schlendern, der nun eine Galerie ist.







Gesticktes von Rohmullah Kazimi




Typografische Spielereien von  Thorsten Passfeld




Schöne Hängung


David Buckingham






















mittenimwald








Sonntag, 12. Juni 2016

Wissen Frauen nicht wo der Hammer hängt?

Es läuft gerade wieder eine sehr interessante Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle - eine Retrospektive von Geta Brátescu. Sie ist eine Künstlerin aus Rumänien, deren Konzeptkunst in der Galerie der Gegenwart gezeigt wird. Man kann dort beispielsweise ihren Medea-Zyklus sehen. Bei dem hat Brátescu mit ihrer Nähmaschine gleichsam wie auf dem Papier auf einem Stück Stoff mit der Nadel gezeichnet, andere Stoffe appliziert und so ein fast plastisches Werk geschaffen, auf dem man Insel-Ansichten aus der Vogelperspektive sehen kann. Die Vielschichtigkeit dieser Kunstwerke bietet unzählige Deutungsmöglichkeiten.






Brátescu hat aber auch sehr interessante Collagen aus Stoffresten zusammengestellt. Sie hat vor allen Dingen stark benutzte Stoffe aus ihrer Familie, beispielsweise von ihrer Mutter eingesetzt, die ihre eigene Geschichte erzählen.




Auch ihr Kunstwerk "Dido" besteht aus Stoff. Brátescu erinnert damit an die Geschichte Didos, die von dem König Iarbas ein Land versprochen bekommen hat, dessen Fläche von einer Kuhhaut umspannt werden kann. Dido zerschnitt die Tierhaut in schmale, miteinander verbundene Streifen, so dass sie daraus eine lange Linie ziehen und ein großes Stück Land umschließen konnte.

Brátescu hat zwar auch klassische Collagen aus Papier und Linoldrucke geschaffen, doch fällt die auffällig intensive Verwendung von Stoff und Nadel und Faden auf. Da ist sie nicht die erste. Unter vielen anderen hat auch schon Louise Bourgeois viel Inspiration aus diesen Materialien ziehen können und sie für ihre Kunstinstallationen eingesetzt. 

Komisch, dass auch in der doch recht freigeistigen Kunstszene, weibliche Künstlerinnen gerne geschlechtsspezifische "Produkte" hervorbringen. Sicher kann die Verwendung von eindeutig konnotierten Materialen und Herstellungstechniken genau für einen Diskurs über dieses Thema eingesetzt werden. Aber vielleicht sollte auch mal eine weibliche Künstlerin einem Nagelkünstler wie Uecker den Hammer aus der Hand nehmen oder sich die Stahlplatten von Richard Serra ausleihen.



Um im Thema zu bleiben gab es im  Erdgeschoss im neuen Ausstellungsformat "Neuland" eine weitere Künstlerin: Hague Yang, die in Berlin und Seoul lebt. Auch diese hat sich für ihre Kunstwerke frauenspezifische Ausdrucksformen ausgewählt. Makramee, Origami, Strohflechten sind Herstellungstechniken, die sie verwendet. Eine Installation mit unzähligen Glöckchen, die von einem Museumsmitarbeiter mit weißen Handschuhen unentwegt in Bewegung versetzt werden, sind genauso Teil der Ausstellung wie ihre Siebdruckreihe "Spice Moon Cycle", bei der sie den Mond mit allerlei Küchengewürzen (!) wie Ingwer, Masala, Kardamom, Kurkuma etc auf Sandpapier druckt. Das sieht schön aus, riecht leider nicht wirklich und ich habe mich gefragt, ob sie die Gewürze genommen hat, um einfach ein Wortspiel von Spice und Space zu illustrieren.